Beim vorliegenden Buch handelt es sich um ein Fachbuch, welches einen umfassenden Überblick über die Geschichte, die Methoden und die theoretische Grundlagen der Supervision aufzeigt. Zusätzlich wird das Spannungsfeld von Supervision und Organisationsberatung diskutiert.
Zielgruppe
Das Buch versucht angehenden Supervisorinnen und Supervisoren verschiedene Grundlagen vorhandener Ansätze zu bieten und ermöglicht es erfahrenen Professionellen, die eigene Praxis und Position zu reflektieren.
Abstract
Nach einem interessanten geschichtlichen Vergleich zwischen den USA und Deutschland, Österreich und der Schweiz, wird Supervision einerseits als «Prozessberatung» andererseits anhand der «dynamischen Urteilbildung als Prozessmodell» erläutert. Die Bedeutung der Interventionen im Beratungsprozess wird differenziert dargestellt. Es wird verständlich unterschieden zwischen der Wirkung, welche die Beratungsperson als solche mit ihrer Präsenz erzielt, den einzusetzenden Methoden und ihrem Handwerkszeug. Viele der diskutierten Methoden und Ansätze werden anhand konkreter Beispiele vertieft und verständlich nachvollziehbar beschrieben. Hilfreiche Bemerkungen in den Fusszeilen zeigen einerseits die benutzten Quellen auf, verweisen aber auch auf vertiefende Literatur.
Der Vielfalt der theoretischen Grundlagen werden die Autorinnen durch eine umfassende Aufzählung der verschiedenen Wurzeln professioneller Erklärungsmodellen gerecht. Diese werden unterschiedlich tiefgründig, aber im Wesentlichen immer präzis und handlungsleitend dargestellt. Konzepte aus der Psychoanalyse, integrativ-psychologische und systemische Ansätze werden sinnvoll zusammengefasst, auf ihre methodische Anwendbarkeit überprüft und in den supervisorischen Handlungskontext gestellt.
Die Autorinnen diskutieren ebenfalls die Bedeutung der Supervision im Organisationskontext und versuchen die Abgrenzung zwischen Organisationsberatung und Supervision zu (er-)klären. Sie beziehen verschiedene diesbezügliche Versuche z.B. im DGSV mit ein.
Im Exkurs «Widerstand und Macht» nehmen die beiden Autorinnen die gängigen Konzepte auf und fassen diese sinnvoll und handlungsorientiert zusammen.
Empfehlung
Es gelingt den Autorinnen eine umfassende Darstellung der Geschichte der Supervision und ein Vergleich mit den USA, welcher auch vielen erfahrenden Beratenden ein aktualisiertes Verständnis der Entwicklung dieser Disziplin ermöglicht. Die Autorinnen haben sich die Kapitel aufgeteilt. Dadurch wird sichtbar, wer von welchen Ansätzen besonders angetan ist. Dies macht das Buch glaubwürdig, da die einzelnen Kapitel sind engagiert und kompetent geschrieben sind. Einfache Darstellungen ermöglichen den Überblick über das breite und zum Teil nur schwer einzugrenzende Interventionsspektrum. Dies wird am Beispiel der Übersicht von Königswieser (Seite 76) deutlich.
Die Vertiefung der methodischen und theoretischen Ansätze mit Praxisbeispielen ist gut gelungen. Die Praxisbeispiele zeugen von der breiten Erfahrung der Autorinnen, mit der sie ihre Aussagen durchaus legitimieren.
Im Kapitel «Organisationen, Organisationsberatung und Supervision» bleibt nach den Erläuterungen der Autorinnen ein eher diffuser ungeklärter Eindruck zurück. Dieser entspricht wohl der aktuellen Realität, dass Supervision nicht überall als eigentliche Profession gesehen wird, sondern als eine ergänzende Kompetenz in der Organisationsberatung. Möglicherweise ist zu akzeptieren, dass Supervision in den traditionellen Feldern der Therapie, Sozialarbeit, Sozialpädagogik und im Gesundheitswesen ein anerkannter Begriff ist und zunehmend mit der Organisationsperspektive verbunden und erweitert wird. In wirtschaftlich orientierten Organisationen wird der Begriff Supervision schwer Akzeptanz finden und bestenfalls als Unterbegriff für Coaching oder Organisationsberatung verwendet werden. Dies obwohl die Inhalte und Tätigkeiten oft dieselben sind und Organisationsberatung oder Coaching von der vertieften Reflexionskompetenz der Supervision profitieren könnte.
Leider verpassen die Autoren im Exkurs zu «Widerstand und Macht» konzeptionelle Weiterführungen aufzunehmen, wie dies beispielsweise Sonja Radatz (2009) versucht. Somit wird die Möglichkeit eines konstruktivistischen unorthodoxen Umgangs mit Widerstand und Macht verpasst und ein gängiges Paradigma weiter belassen.
Abschliessend ist festzuhalten, dass das vorliegende Buch eine sinnvolle Zusammenfassung der aktuellen Ansätze und Diskussionen in der Supervision darstellt und Beratern in der Supervisionsausbildung sowie gestandenen Praktikerinnen und Praktiker der Supervision bestens empfohlen werden kann. In diesem Sinne ist das Buch mehr als eine qualitativ hochstehende Einführung.
| Autor/in Buch | Silvia Schibli und Katja Supersaxo |
| Autor/in Rezension | David Köpfli |
| Verlag | UTB |
| Ort | München |
| Erscheinungsjahr | 2009 |
| Seitenzahl | 265 |
| ISBN-Nr. | 978-3-8252-3249-8 |
David Köpfli verfügt über Ausbildungen in Sozialarbeit, Familientherapie, Betriebswirtschaft, Organisations- entwicklung, Coaching und Supervision. Er ist geschäftsführender Seniorberater der David Köpfli & Co GmbH (www.dkoepfli.ch), einem Beratungsunternehmen auf der Verbindungsstelle von sozialer und wirtschaftlicher Sichtweise und Mitinitiant des Institutes für Lehr- und Ausbildungssupervision ilea.
Silvia Schibli-Meier, war erstberuflich Lehrerin, später bildete sie sich zur dipl. Erwachsenenbildnerin aus. Weiterbildungen mit zertifizierten Abschlüssen als NLP-Trainerin und systemische Familien-therapeutin(DGSF). Supervisionsausbildung am Institut für Angewandte Psychologie in Zürich. Sie ist seit 1992 als selbständige Supervisorin (BSO), Lehrsupervisorin und als Coach tätig. Sie lebt in Aarau (CH).
Katja Supersaxo, dipl. Sozialarbeiterin FH und MA in Soziologie/Politologie, Supervisionsausbildung an der Akademie für Jugendfragen in Münster (D). Langjährige Tätigkeit als Dozentin an einer Fachhoch–schule für Sozialarbeit. Seit über 30 Jahren als Supervisorin berufstätig, u.a. organisationsintern im Gesundheitswesen und mit Erfahrung in Ausbildung- und Lehrsupervision. Sie lebt in Zürich
